Interview: Marcel Wagner über Projektverantwortung

J.D.: Marcel, du kommst gerade von einer Reise aus Mosambik zurück. Was bringt dich als Chef von ADRA Österreich in diese Region der Welt?

Marcel: Wir betreuen dzt. als ADRA Österreich alleine in Mosambik 4 Projekte. Das ist zum einen das Projekt rund um die Gesundheitsclubs für Mädchen zur sexuellen Selbstbestimmung und ein landwirtschaftliches Projekt zur Einkommensförderung von Bauern. Neu ist das Projekt namens DelPaz – ein durch die Austrian Development Agency koordinierte Großprojekt, das ein friedvolles Zusammenleben der Bevölkerung zum Ziel hat, sowie ein weiteres Projekt für Kleinbauern gemeinsam mit der Europäischen Union, das insbesondere Integration von Randgruppen aus der Bevölkerung im Fokus hat.

J.D.: Warum ist deine persönliche Anwesenheit vor Ort sinnvoll?

Marcel: Mit der Hilfe unser Spender hier in Österreich sind sind wir ein wichtiger Geldgeber. Als ADRA Österreich verstehen wir unsere Aufgabe jedoch weiter gefasst: Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe bringen und das ist mehr als Geld, das ist vor allem die Vermittlung von Wissen und Werten. Wir bringen uns überdies unsere Expertise als Fundraising-Organisation ein und sind in der Lage, Fördersumme von großen Institutionen zu erhalten. Im Fall des Projektes DelPaz ist unser Partner die Austrian Development Agency, die uns bereits mehrfach größere Geldbeträge zur Verfügung gestellt hat, weil wir mit überzeugenden Konzepten die Entscheidungsträger gewinnen konnten. Damit haben wir noch mehr Möglichkeit zu helfen, sind aber natürlich auch als Organisation hier in Österreich für den Mitteleinsatz verantwortlich.

J.D.: Jetzt weiß ich, dass du hinsichtlich deiner persönlichen Ausbildung Techniker bist. Wie kannst du deine Expertise in Projekten wie diesen einsetzen?

Marcel Wagner im Gespräch mit lokalen Mitarbeitern anlässlich eines Brunnenbaus in Nepal

Marcel: Meist sind hier meine Fähigkeiten als Projektmanager gefragt. Einerseits arbeiten wir mit Mitarbeitern aus unserem lokalen ADRA-Büro, auf der anderen Seite ist die Arbeit mit anderen Kooperationspartnern, das sind NGOs mit spezialisierten Ausrichtungen, zu koordinieren. Einen großen Teil der Reise in Mosambik habe ich zuletzt mit der Abstimmung mit Vertretern der öffentlichen Verwaltung, unseren Partnern aber auch mit den Menschen vor Ort verbracht.

J.D.:  Das heißt also, du verbringst sehr viel Zeit in Sitzungsräumen?

Marcel: Es kommt darauf an, was du unter „Sitzungsräumen“ verstehst. Sehr oft finden Versammlungen einfach unter Bäumen oder in einfachen Hütten statt. Ich bin aber auch selbst sehr intensiv mit der direkten Projektumsetzung beschäftigt. Sei dies in Bezug auf den Bau von Brunnen, Bewässerungsanlagen oder im Training vom neuen Anbaumethoden. Hier bin ich direkt bei den Bauern, schaue mir an was gut oder nicht so gut funktioniert und trainiere unsere Mitarbeiter, die in der Folge das Wissen weitergeben.

J.D.: Du verantwortest den Fortschritt von Projekten nicht nur den Spenden gegenüber, sondern auch Geldgebern wie der EU oder der Stadt Wien. Wie definierst du Kriterien zur Qualitätssicherung?

Marcel: Ich möchte das kurz am Projekt DelPaz erklären: Das Hauptziel dieses Projekts ist die Friedensförderung. Wie können wir die Friedensförderung zählen oder messen? Hierzu benötigen wir messbare Indikatoren, also bestimmte Punkte an denen wir festmachen können, ob wir die Ziele erreicht haben. Abgeleitet von den Zielen des Projektes, werden die Hauptaktivitäten definiert. Diese werden wiederum in viele hundert Umsetzungsschritte (z.B. Training usw.) heruntergebrochen. Für jeden Schritt wird schon zu Beginn ein genaues Ergebnis festgelegt (z.B. Anzahl Teilnehmer am Training, Abschlüsse, ein bestimmter %Satz an mehr geerntetem Getreide usw.). So kann das gesamt Projekt in seinen Details laufend gemessen werden. Zusätzlich werden qualitative Aspekte herangezogen – hier schauen wir uns konkret an, welche Auswirkung ein Umsetzungsschritt auf das Leben von konkreten, begünstigten Menschen hat.

J.D.: Das klingt ein wenig kompliziert. Wie kann ich das als Spender besser verstehen?

Marcel: Ich möchte das an einem einfachen Beispiel erklären. Wenn wir einen Brunnen bauen, wäre ein einfacher Indikator: ADRA hat in 25 Dörfern Brunnen gebaut. Einen Brunnen zu bauen bedeutet aber nicht zwingend, dass die Dorfbewohner ihn auch nutzen. Ich habe schon Fälle erlebt, wo mir Familien berichteten, dass das Wasser salzig oder sonst seltsam schmeckt. Wenn wir die Wirkung beobachten, dann schauen wir, wie der Brunnen genutzt wird, wie sich die Hygiene im Dorf verbessert, wie die Anzahl der Durchfallerkrankungen zum Beispiel zurückgeht.

Wir berichten als ADRA Österreich laufend über unsere Printmedien und auch online über den Fortschritt unserer Projekte. Transparenz ist uns hier sehr wichtig. Für Fragen stehe ich aber auch gerne persönlich zur Verfügung. Ruf mich einfach an!

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